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Bezeichnung
Darwins Weggefährte. Fritz Müllers Berichte aus Brasiliens Tropenwald (Ausstellung)
Ausstellung

Beschreibung
Art der Aktivität
Art der AktivitätAusstellung
Zeitraum
7.5.2012 - 27.7.2012
Beschreibung

1877 feierte die Universität Tübingen ihr 400-Jahre-Jubiläum. Jede Fakultät konnte einen Ehrendoktor benennen. Die 1863 gegründete Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät schlug Fritz Müller vor, der damit zum ersten Dr. rer. nat. h. c. wurde. Wer war dieser Mann?
Im thüringischen Windischholzhausen1822 geboren, studierte er Biologie und Medizin in Greifswald und Berlin, wo er 1844 mit einer zoologischen Arbeit zum Dr. phil. promoviert wurde. Das medizinische Staatsexamen wurde ihm verweigert, weil er, inzwischen Agnostiker, den hippokratischen Eid ohne “so wahr mir Gott helfe“ ablegen wollte. Das Scheitern der 1848er Revolution enttäuschte ihn zutiefst, 1852 wanderte er nach Brasilien aus. Ab 1856 unterrichtete er in Desterro auf der Insel Santa Catarina über ein Jahrzehnt am Gymnasium Mathematik und Naturwissenschaften. In dieser Zeit untersuchte er im Meeresplankton die Entwicklung der Krebse und kam zu dem Schluss, dass einige heutige Larvenstadien den Adulten ihrer Vorfahren entsprechen. Diese und andere Beobachtungen stellte er als Argumente für den Ursprung der Arten zusammen und veröffentlichte sie 1864 als Buch mit dem Titel „Für Darwin“. Ernst Haeckel leitete daraus das Biogenetische Grundgesetz ab, nach dem in der Ontogenese eine Rekapitulation der Phylogenese stattfindet. Es entstand eine bis zu Darwins Tod 1882 reichende intensive Korrespondenz, in der Fritz Müller zahlreiche neu entdeckte biologische Fakten mitteilte. Darwin bezeichnete ihn als den „Fürst der Beobachter“ und zitierte Müller in späteren Auflagen des Origin etwa 20 mal mit dem Hinweis, dass dies für ihn die wichtigsten Belege für Evolution seien. Fritz Müller berichtete in über 250 Veröffentlichungen Neues zu vielen Pflanzen, Termiten, Ameisen und stachellosen Bienen. Stärkste Beachtung fand seine Entdeckung von Mimikry-Ringen bei Schmetterlingen. Bei dem später als Müller’sche Mimikry bezeichneten Phänomen nehmen mehrere schlecht schmeckende Arten gleiche Flügelmuster an, wodurch Fressfeinde leichter erlernen, sie als Beute zu meiden. In einer Arbeit von 1881 konnte Müller den damit verbundenen Selektionsvorteil mit Freilanddaten mathematisch belegen. Als Naturalist korrespondierte Fritz Müller intensiv mit zahlreichen Wissenschaftlern, darunter auch Tübinger Biologen. Theodor Eimer schlug ihn zur Ehrenpromotion vor. Wegen der Unwetter über dem Atlantik im Jahr 1877 konnte Müller nicht zur Feier nach Tübingen kommen, den Erhalt der in Latein abgefassten Urkunde bestätigte er brieflich im Dezember des gleichen Jahres. Als Naturalist sammelte Fritz Müller über lange Zeit für das Nationalmuseum in Rio, dessen Direktorat er allerdings nicht annahm. Bis zu seinem Tod 1897 blieb er in Blumenau, wo bis heute viele Nachkommen seiner 10 Töchter leben.

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