Das Archiv des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) wurde 1983, ein Jahr nach dem Institut selbst, offiziell eröffnet. Da es über keinen eigenen Etat und kein eigenes Personal verfügte, sondern „nebenbei“ von den Bibliotheksmitarbeiter:innen betreut wurde, waren eine aktive Sammlungstätigkeit und ein aktiver Sammlungsaufbau nur eingeschränkt möglich. Dem ersten Direktor des ZfA, Prof. Herbert A. Strauss, schwebte ein umfassendes Archiv zur Geschichte der Ausgrenzung und Verfolgung der Juden weltweit vor, dies ließ sich allerdings nicht realisieren. Dennoch sind in den vergangenen mehr als vierzig Jahren vielfältige und heterogene Bestände zusammengetragen worden. Die sie verbindende Klammer sind die Themen Antisemitismus (und andere Formen gruppenbezogener Diskriminierung), die weltweite Verfolgung von Jüdinnen und Juden und die Shoah, jüdisches Leben vor und nach dem Nationalsozialismus sowie Entschädigung und Aufarbeitung der NS-Zeit.
Eine wichtige Gruppe im Archiv bilden Nachlässe von verfolgten Jüdinnen und Juden, von NS-kritischen Personen und von Wissenschaftlern, die sich nach 1945 mit der judenfeindlichen NS-Politik auseinandergesetzt und dazu publiziert haben. Darüber hinaus gibt es die sehr breit gefasste Gruppe „Sammlungen“. Hierzu zählen u. a. 9.000 Zuschauerbriefe an den Westdeutschen Rundfunk nach der Ausstrahlung der US-amerikanischen Fernsehserie „Holocaust“ in der Bundesrepublik im Januar 1979, die Lebensgeschichtliche und die Mentalitätsgeschichtliche Sammlung, Kopien der Nürnberger Prozess-Akten von 1945 bis 1948, die einzigartige Sammlung des Holocaustüberlebenden Adolf Diamant sowie Briefe an den Zentralrat der Juden aus den Jahren 2000–2002. Eine umfangreiche Presseausschnittsammlung der Jahre 1983–2009 zu den Arbeitsschwerpunkten des ZfA, bedeutende Mikrofilmsammlungen, Materialien zu verschiedenen Projekten am Institut und Forschungsunterlagen ehemaliger Mitarbeiter:innen ergänzen die ganze Breite des archivischen Angebots.
Von September 2025 bis August 2026 fördert die Claims Conference New York in einem Drittmittelprojekt die Sichtung, Strukturierung und Erfassung der holocaustrelevanten ZfA-Archivbestände. Am Ende dieses Projekts werden die Einzelbestände in einer Datenbank katalogisiert und recherchierbar sein.
siehe Homepage der Bibliothek des Zentrums für Antisemitismusforschung