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Bezeichnung
Wissenshintergründe und Forschungstransfer am Beispiel des Ägyptologen Georg Steindorff (1861-1951)
Digitalisierung, Forschungsprojekt

Beschreibung
Art der Aktivität
Art der AktivitätDigitalisierung
Art der AktivitätForschungsprojekt
Zeitraum
2012 - 2015
Person
Organisation
Beschreibung

Mit der 2011 abgeschlossenen Übergabe der privaten Korrespondenz von Georg Steindorff durch seinen Erben an die Universität Leipzig ist ein bislang weitgehend unbekanntes Archivmaterial der wissenschaftsgeschichtlichen Erschließung zugänglich geworden. Nicht weniger als 6800 Dokumente aus 60 Jahren (empfangene Briefe mit Kommentaren wie auch Vorlagen für eigene Schreiben) beleuchten das Wirken einer der zentralen Figuren der Ägyptologie, und zwar nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch als Wissenschaftspolitiker, dessen Einfluss in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts kaum überschätzt werden kann. Der Einfluss Steindorffs beruhte auf seiner jahrzehntelangen Mitgliedschaft in der aus Vertretern der vier deutschen Akademien zusammengesetzten sog. Wörterbuchkommission. In diesem Gremium, das auch die Aufsicht über das Kaiserlich Deutsche Institut für ägyptische Altertumskunde in Kairo ausübte, besaß Steindorff neben der Leitfigur Adolf Erman die wichtigste Stimme. Sein profunder Einblick in alle Belange der deutschen Ägyptologie beförderte ihn zum wichtigsten Ratgeber Ermans und zu dessen Nachfolger als einflussreichste Autorität der deutschen Ägyptologie. Seine verschiedenen Herausgeberschaften setzten ihn darüber hinaus in unmittelbaren Bezug zu den großen Verlagen.Die Stärke des jetzt verfügbar gewordenen Materials liegt in seiner Konsistenz, Dichte und Qualität ebenso wie in seiner erstaunlichen zeitlichen Ausdehnung über gut 60 Jahre. Die ungeschönte Offenheit der Privatkorrespondenz ermöglicht es, die Metaebene einer geisteswissenschaftlichen Disziplin in den Blick zu bekommen. Der in jüngster Zeit erkannte Diskurs um den Anteil der deutschen Ägyptologen am international ausgetragenen wissenschaftlichen Wettkampf der Kulturen (Kaiser Wilhelm II.) ist in diesem Material herausragend illustriert. Schon eine erste Durchsicht zeigt das Geflecht aus den Wechselwirkungen im Forschungstransfer innerhalb der akademischen Welt wie auch zwischen akademischem Diskurs und breiter Öffentlichkeit. Die Dokumente des zu erschließenden Archivs legen die Interaktionen unterschiedlicher Sphären, vor allem aber der Wissenshintergründe frei und die Motive der Handelnden explizit offen. So entsteht eine zweite Erkenntnisschicht, die es ermöglicht, in zwei Richtungen zu arbeiten: In synchroner Sicht wird die fächerübergreifende Beeinflussung von Forschung unter den jeweiligen nationalen Sachzwängen deutlich. In diachroner Sichtweise erscheinen die Mechanismen der Weitergabe von Wissen und der Herausbildung von Schulen und lassen direkte Traditionsstränge von der Gründerzeit bis in die Nachkriegszeit hinein erkennen.Die Akteure der Wissensgenerierung und des Forschungstransfers werden somit weit über ihre anekdotisch rekonstruierbaren Netzwerke hinaus darstellbar.

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